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Das Krokodil und die Regenbogenrakete

Wir befinden uns im Wald rund um Fontainebleau. Genauer gesagt im Sektor Franchard Isatis. Die Waldwege sind ähnlich sandig wie in Brandenburg. Der Fels flacher aber noch schöner als im Elbsandsteingebirge. Die Sonne scheint am Geburtsort des Boulderns. Unsere kleine Klettergruppe war den ganzen Tag unterwegs. Hat gespielt, geschlafen, sich abgemüht und von Baguette ernährt. Dem Sonnenuntergang entgegen zieht es uns langsam mit einem Anflug von Müdigkeit heimwärts. Ein sanftes „Ich will es mir wenigstens mal angucken.“.

Crocodile

Ein Fels in Form eines Krokodilkopfes hat sicher schon einige erschöpfte Boulderer vom Weg aus dem Wald abgehalten. Man legt sich Kopf voran unter das Maul, umschlingt es und rollt ähnlich eines Hüftaufschwungs auf. Wer es schafft, sitzt am Ende in Reitposition auf dem Kopf des Krokodils. Wer es nicht bezwingt, fällt je nach Charakter motiviert oder gedemütigt ab. Im zugehörigen Insta-Post könnt ihr es euch anschauen. Aus dem „Mal gucken.“ wurde schnell ein „Mal probieren.“ und am Ende hing unsere ganze Gruppe der Reihe nach dran.

Die Magie

Schnell gesellte sich eine Gruppe Italiener dazu. Unser „Auf geht’s!“ erweiterte sich um „Allez!“ und „Venga, venga!“. Mehr Menschen wurden angezogen, setzten sich auf ihre Crashpads oder den Waldboden und wohnten dem wilden Ringen bei. Die Stimmung wurde ausgelassener. Anschwellendes Klatschen begleitete die nächsten Versuche. Etwas schwer Einzufangenes lag in der Luft. Dieses Gefühl der Glückseligkeit, dass die meisten, kletternden Menschen in diesem Wald befällt, schien in Resonanz zu gehen. Ausgelaugt, dreckig und in abgwetzten Klamotten – woanders undenkbar und hier der Inbegriff von lebensfroh.

Obwohl wir alle schon unseren Kampf mit dem Krokodil hatten, fällt es uns schwer, diese Szene zu verlassen. Allerdings wurde am Frühstückstisch noch ein Deal gemacht. Wer das Krokodil erklimmt, muss die Regenbogenrakete probieren. Das Tosen der anderen begleitet unseren Weg noch eine Weile. Selbst aus der Ferne ist klar, ob der letzte Versuch von Erfolg gekrönt war oder nicht. Fast wie in einem Stadium, nur spontan und mit nahbaren Menschen.

Rainbow Rocket

Schon der Weg hat etwas besonderes. Ein gewundener Pfad führt hangaufwärts. Zu den Seiten saftiges Moos und wilder Wald. Oben thront ein gigantischer, gespaltener Felsbrocken. Viel größer als in allen Videos. Hierher kommt man nur aus einem Grund… um sich wie eine Rakete von dem einen Griff in der Mitte aufwärts Richtung Kante zu feuern. Ein Zug und massive Power. Für die meisten in dem Sport nicht mehr als ein feuchter Traum. Naja einen Versuch hab ich trotzdem gemacht. Deal ist Deal und wer ist man schon, wenn man nicht zu seinem Wort steht? Jonas‘ Battle um die letzten Millimeter habe ich aber gerne beigewohnt. Wie ein Pfeil schoss er nach oben und krachte jedes mal mehrere Meter tief auf unseren Crashpad-Stapel. Die Sonne verließ uns langsam. Die Energie wurde von eine paar Beats aus dem Lautsprecher gehalten und obwohl am Ende niemand ankam, sah keiner unerfüllt aus.

Vielleicht lässt sich das aus dem Wald mitnehmen. Bisschen machen, bisschen Natur, reichlich Baguette und für einen kurzen Moment scheint die Welt in Ordnung. Wenn wir ehrlich sind, braucht es doch nicht viel, um Gefallen am Leben zu finden. Die Box gibt weiter funky tunes von sich und trägt uns beschwingt zu den Autos zurück. Die Überraschung, die ich uns da beschert habe, bleibt lieber im engeren Kreis.

Ein Kommentar

  1. Du hast sowas von Recht: Es braucht wirklich nicht viel im Leben. Das habe ich heute beim Blumen-Einpflanzen gedacht. Alles Gute für Dich.

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