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Yogaausbildung Erfahrungsbericht VII

Hey, ich muss gestehen, der letzte Blog zu meiner Ausbildung bei Spirit Yoga Berlin ist schon etwas her. Mittlerweile sind 4 weitere Module vergangen und die Abschlussprüfung steht vor der Tür. Das kam alles etwas schneller als erwartet. Mein Leben hat sich in der Zeit ganz schön verdichtet und ist noch dabei sich neu zu entdecken. Freu mich schon nach der Prüfung ein Resümee zu schreiben und mir mal selber aufzulisten, was eigentlich alles in der Zeit passiert ist. Erstmal gibt es aber einen Rückblick auf 3 der 4 vergangenen Module.

Inhalt

Modul 8: Ja, die Reihenfolge der Module war wirklich so. Kein Zahlendreher. Zu dem Modul gibt es gar nicht so viel zu sagen. Eigentlich lässt es sich sogar recht gut mit zwei Worten beschreiben. Notwendig und anstrengend. Anatomie. Wir haben die letzten noch fehlenden Ecken des Körpers abgearbeitet. Ganz spannend war ein Exkurs ins Faszienyoga. Vom Prinzip her geht Yoga ja immer auch an die Faszien, aber wir haben mal ein paar dieser gehypten Übungen mit Tennisbällen gemacht. Muss man schon mögen den Schmerz.

Modul 6: Ich weiß gar nicht, wie ich dieses Modul zusammenfassen soll. Auf jeden Fall ist Eckard Wolz-Gottwald schon ein besonderer Typ Mensch. Dank ihm gabs tatsächlich einen Tag wieder Kekse mit Schokolade. So wie es wohl früher immer war. Thema war Philosophie des Yoga und damit verbunden auch etwas Entstehungsgeschichte. Die didaktischen Methoden haben daraus allerdings deutlich mehr werden lassen. Wir haben Theater gespielt, gesungen, rezitiert, Fragen gestellt und Antworten erhalten (was nicht immer zwingend zusammen gehörte) und wurden nicht so richtig erleuchtet. Yogash Citta-Vritti-Nirodhah schwirrt wahrscheinlich immer noch in den meisten Köpfen rum.

Modul 7: Wir haben zum ersten Mal unsere Prüfungssequenzen mit den jeweiligen Mentor*innen besprochen. Bye bye Armbalance. Unsere praktische Prüfung wird das Unterrichten einer öffentlichen Yogastunde, zu der ihr an dieser Stelle alle herzlichst eingeladen seid, sein. Jede*r von uns übernimmt in dieser Klasse einen 15 minütigen Part. Meine Gruppe ist am 16.11.18 um 10 Uhr am Start.
Zweiter Teil war ein genaueres Betrachten speziellerer Yogaformate wie Restorative Yoga, Soft Yoga und Yoga mit Rückenfokus. Es gab immer wieder kürzere praktische Einheiten, um eben nicht nur theoretisch zu verstehen. Besonderes Herzstück dieses Moduls war aber sicher Yoga mit persönlicher Betreuung. Andrea (meine Mentorin) und Patricia (Leiterin der Ausbildung) gaben eine längere Yogaklasse, in der jedem Teilnehmenden ein angehender Lehrer/eine angehende Lehrerin zur Seite gestellt wurde. Die Klasse war als Workshop öffentlich buchbar. Ich bekam tatsächlich eine Yogalehrerin mit 12 Jahren Erfahrung zugeteilt. War schon ganz spannend da in die Rolle des Lehrers zu gehen und Hinweise zur eigenen Praxis zu geben.

Challenge

Ganz ehrlich war die größte Challange, zwischen Alledem noch einen Blogeintrag zu schreiben, deswegen hat es auch etwas länger gedauert. Durch den ganzen Wandel in meinem Leben, hab ich mich ein wenig mit Vorhaben, Ideen und Aufgaben überladen. Alleine die Gedanken im Kopf haben mich schon gelähmt. Die eine Doku auf Arte hat mir vor ein paar Tagen einiges an Input gegeben, obwohl ich einen Teil verschlafen habe. Gibt jetzt einen festen „Bürotag“ in der Woche, um mich nicht rund um die Uhr an meine nervigeren Pflichten erinnern zu müssen. So muss ich es nur noch einmal die Woche. Außerdem versuche ich nicht mehr alles gleichzeitig sondern stattdessen nacheinander anzugehen. Das Hin und Her der Gedanken frisst einfach Ressourcen für nichts.

Außerdem bemühe ich mich die ruhigere Yin-Seite mehr zu bedienen. Meditieren, Lesen, Kuscheln oder manchmal auch nur aus dem Fenster gucken, ohne etwas zu sehen. Hier der Link, falls euch die Doku interessiert: https://www.arte.tv/de/videos/061653-000-A/immer-vernetzt/

Lektion

Das Thema Erleuchtung war für mich immer pure Skepsis. Ich meine, wie soll dass aussehen? Irgendwann macht es beim vielen Rumsitzen und Nichtsdenken Klick und fortan bin ich in eine leuchtende Aura gehüllt, fühle mich auf ewig glückselig und schreibe dann ein Buch darüber, weil meine sterbliche Hülle von Glückseligkeit allein dann doch nicht leben kann?
Das Philosophiemodul mit Eckard hat mir da einen ganz angenehmen Gedankengang gegeben. Erleuchtung gilt als etwas Besonderes, solange man sie sucht, und als etwas Alltägliches, wenn man sie hat. Also eigentlich stehen die Chancen ganz gut, sie gar nicht zu bemerken. Bevor ich mit “vielleicht könnte es ja sein“ und anderen Floskeln anfange, beschreibe ich einfach kurz meine Sicht auf den Yogaweg und Erleuchtung.

Für mich beschreibt Patanjalis 8-gliedriger-Yogapfad keine andauernden Zustände, sondern aufeinander aufbauende Ebenen, die wir uns immer wieder aufs Neue erarbeiten müssen. Wenn Verhalten, ruhiger Geist, Bewegung und Atem stimmen, können wir die Sinne zurückziehen, uns fokussieren und zu ganz klaren Gedanken kommen und gute Entscheidungen treffen. Meine Interpretation des Pfads in einem Satz. Wer schon mal Yoga (oder auch andere holistische Bewegungspraktiken) geübt hat, kennt bestimmt diese vielleicht seltenen Momente der Klarheit, die aufkommen, nachdem man eigentlich völlig durch den Wind auf seine Matte gegangen ist und sich dann 90min fokussiert und verausgabt hat.

Das ist für mich Erleuchtung und die meisten Menschen, die Yoga länger praktizieren, haben das schon erlebt und auch wenn sie wegen Rücken angefangen haben, ist das oft der Grund, warum sie bleiben. Dieser Zustand hält sich allerdings genauso wenig, wie der Rücken ohne Bewegung gesund bleibt. Demnach ist Erleuchtung kein Zustand, auf dem man sich ausruhen kann, sondern nur ein guter Moment auf dem ewigen Weg mit seinem Dasein und dieser Welt klarzukommen. Mit fortwährender Übung kann dieser Moment sicher ausgedehnt und immer schneller erreicht werden. Vielleicht schafft man es sogar irgendwann überwiegend gute Entscheidungen zu treffen. Aber auf jeden Fall gilt auch hier. Von nichts kommt nichts.

Ich bin sehr dankbar für diese wenig spirituelle und eher sehr weltlich zugewandte Sichtweise. Ich weiß nicht, ob Eckard das vermitteln wollte oder ich das verstehen wollte. Auf jeden Fall macht der Weg so für mich Sinn und es ist auch schön, sich vorzustellen, dass wahrscheinlich jeder Mensch, der mir begegnen wird, schon mal ein bisschen erleuchtet war. Wertschätzung is coming.

Empfehlung

Hab heute morgen fleißig praktiziert, also ist die Wahl für diese Empfehlung garantiert eine erleuchtete. Kommt zu unseren kostenlosen Prüfungsklassen am 16., 17., und 18. November 2018 im Spirit Yoga Zehlendorf. Gibt auch Tee aufs Haus. (Update: Es gibt jedes Jahr zu dieser Zeit kostenlose Prüfungsklassen. Ist also immer noch einen Blick wert.)

Kleine Anekdote

Die Anekdote möchte ich diesmal kürzen und stattdessen ganz unkommentiert ein Zitat von Eckard Wolz-Gottwald für sich sprechen lassen. „Wenn du Yogastar werden willst, kommste an Erleuchtung nicht vorbei.“

Das Bild ist von meinem verspätet bei Ellen eingelösten Geburtstagsgeschenk. Haben uns dabei quasi kennengelernt.

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