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Yoga ist kein Bauch Beine Po

Wenn ihr den Titel Yoga ist kein Bauch Beine Po lest und eigentlich auf der Suche genau danach wart ist der Artikel genauso für euch wie für alle, die schon bei Yoga und Bauch Beine Po in einer Zeile die Ablehnung aufkommen spüren. Ihr werdet noch sehen warum.

Es geht mir um ein Phänomen, das ich schon länger immer mal wieder in Vinyasa Yoga Klassen wahrnehme und auf das ich gerne einmal eure Aufmerksamkeit lenken möchte. Beine aus Stahl und Knackpos. Fitness im spirituellen Gewand. Der Fokus liegt also erstmal nur auf einem kleinen mitunter fundamentalen Teil des achtgliedrigen Yogawegs nach Patanjali. Asanapraxis. (Lasst mich gerne wissen, falls es ihr folgendes Szenario auch aus anderen Klassen kennt.)

Meine Beobachtung – die Bauch Beine Po Klassen

So eine ganz klassische Vinyasa-Stunde beginnt oft im Sitzen mit Atmen und Mobilisation. Dann kommt langsam der Weg über den Vierfüßler in den ersten herabschauenden Hund, kleinere Vinyasa, etwas Zentrum, eine entspanntere Rückbeuge und zack! fließen die Sonnengrüße. Die Musik nimmt Fahrt auf. Es folgt ein langer, schweißtreibender Part mit allerlei Varianten klassischer stehender Haltungen, die einen durchaus zum Fluchen bringen können. Natürlich nur innerlich. Wir sind schließlich alle Yogis/Yoginis. Selbstbeherrschung ist unser Hobby.

Kurz abgeschweift… Die Musik ist schon fast tanzbar und nach den ganzen Kriegern, Trikonasanas und Stuhl-Twists folgt noch eine Peak-Pose, also irgendeine Asana, die so richtig in Po und Beinen brennt. Dann gehts Richtung Boden und Entspannung. Sitzende Vorbeuge, Viparita Karani, liegende Drehung, Shavasana und das Gefühl, sich so richtig verausgabt zu haben.

Und der springende Punkt?

Klar, soweit klingt das erstmal nach einer runden Yogaklasse. In diesen fordernden 90 Minuten sind wir aber im Grunde nur einmal aufgestanden und haben uns einmal hingesetzt. Die meiste Zeit haben wir rumgestanden. Ne, ich weiß. etwas anstrengender war es schon. Unsere Arme haben wir aber trotzdem vorallem zum Über-den-Kopf-bewegen und für ein paar Sonnengrüße oder Vinyasa genutzt. Auf der Asanaebene war das im Grunde spirituelles Bauch Beine Po.

Natürlich ist Yoga keine holistische Bewegungspraxis (zumindest nicht für mich), auch wenn es sich in der Form, dass Körper, Geist und Seele miteinbezogen werden, um eine holistische Praxis handelt. (Dazu später mal ausführlicher.) Viel mehr sehe ich Yoga als Grundlage für ein allgemeines Körpergefühl und um die Anbindung an die anderen zwei Teile in mir zu finden. Von da aus kann eine Bewegungspraxis beginnen oder was immer ihr sonst so im Leben vorhabt. Nichtsdestotrotz sitzen Körper, Geist und Seele nicht nur in Bauch, Beinen und Po.

Yoga für Bauch Beine Po als Weg der Vermeidung

Ok, jetzt mal Butter bei die Fische. Egal, ob ihr nur auf der Suche nach dem vornehmeren Fitnessprogramm für Bauch, Beine, Po seid oder schon 10 Jahre reines Yoga praktiziert und immer noch Albträume von Chaturanga bekommt. Es gibt einen Grund, warum ihr da seid, wo ihr seid, und der hat nichts mit Schwäche, Unvermögen, Genetik oder einem So-war-das-halt-schon-immer zu tun. Es ist die Art, wie und was ihr praktiziert bzw. nicht praktiziert, und vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, Fragen zu stellen. Was soll passieren? Es sind nur Fragen. Nehmt euch etwas Zeit und wer mag Zettel und Stift. Hier ist meine liebevolle Anregung. (Lehrende könnten sich die Fragen auch mit Bezug auf ihre Unterrichtspraxis stellen.)

  • Was suchst du in deiner Asanapraxis?
  • Was vermeidest du in deiner Praxis, bewusst oder unbewusst?
  • Was vermeidest du wirklich?
  • Warum gehst du dem aus dem Weg?
  • Was wäre, wenn du dem nicht nur nicht aus dem Weg gingest, sonder gar darauf zugehen würdest?
  • Und was sagt eigentlich dein Ego dazu?

Ich freue mich, wenn du da tatsächlich durchgegangen bist. Ich weiß, der erste Schritt erscheint oft immens. Lustlosigkeit kann auch so eine Vermeidungsstrategie sein 😉 . Solltest du sogar so einen Oha!-Moment erreicht haben, hast du vielleicht gemerkt, dass da mehr als nur Asanapraxis drinsteckt. Auch für den achtgliedrigen Yogapfad gilt: It’s all connected, baby. Falls da jetzt so ein Gefühl von seufzen aufkommt, kann ich dir nur aus eigener Erfahrung sagen, Yoga ist eine unendliche Geschichte, ein andauernder Prozess und gerade steckst du mittendrin. Genieß es. Es ist deine Praxis.

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