Zum Inhalt springen

Finites Spiel als Perspektive aufs Leben

Spiel wird im Training und in der Persönlichkeitsentwicklung oft belächelt, wenn es denn überhaupt Beachtung findet. Dabei liegt dort sehr großes Potenzial versteckt. Nur existiert besonders bei Erwachsenen gelegentlich eine Hemmschwelle, sich darauf einzulassen. Sie nehmen alles todernst, dabei ist das ganze Leben ein Spiel mit klar gesetztem Ende. Ja, es gibt Regeln, aber ob ihr am Ende als Gewinner oder Verlierer abtretet, definiert ihr selbst. Ich möchte euch ein paar gute Gründe liefern, zu spielen und nie damit aufzuhören. Schon Einstein sagte: „Spiel ist die höchste Form der Forschung.“. Let’s get into science and review yourself.

Finites Spiel und Alltag

Finite Spiele sind so ähnlich wie das Leben. Sie haben für die Spielenden ein klares Ende. Es gibt Menschen auf Siegeszug und andere in der Abwärtsspirale, weswegen sie von manchen Menschen gerne und von anderen weniger gespielt werden. Aber bevor wir da einsteigen, lasst mich ausholen.

Den Aufhänger für diesen Artikel bot mir ein Zitat, das ich heute morgen in einem Artikel von Sascha von Amor Fati gelesen habe. Das Zitat ist von Les Brown und geht so: „It’s not over until I win. You gotta be hungry!“. Das klingt erstmal nach push, push, push und burnout. Drin steckt aber auch das perfekte Mindset für ausdauernde Entwicklung.

Finite Spiele sorgen bei den Gewinnern oft für ein Gefühlshoch und bei den Verlierern für Frust. Besonders Verlierer hören dann auf zu spielen und Gewinner wollen mehr. Jede*r ist mal Kind gewesen und kennt das wahrscheinlich. Diese Art zu denken, lässt uns allerdings nur begrenzt weit kommen, da wir unangenehme Erfahrungen meiden und uns nur den Dingen widmen, die wir bereits beherrschen. Im Grunde laufen wir weg und suchen unsere Komfortzone, anstatt Gewinnen durch wiederholtes Scheitern zu lernen. Für Kinder ist das Ok. Sie kommen ja erst im Leben an und lernen noch das Lernen. Als Erwachsene sollten wir aber nicht auf dieser Stufe verharren.

Spiel ist Entwicklung

Nehmt es wie Les Brown. Spielt bis ihr das Spiel verstanden habt und es schafft zu gewinnen. Dann sucht euch etwas Neues, scheitert und entwickelt euch. Lernt zu verstehen und zu gewinnen. Das ist ausdrücklich kein Plädoyer für das Gewinnen sondern den Spaß am Scheitern. Scheitern ist Entwicklung (mit dem richtigen Mindset).

Finite Spiele bieten hier einen grandiosen Raum, um sich selbst und seinen Umgang mit dem Ausgang des Spiels zu beobachten. Hier könnt ihr ganz schadlos Erkenntnisse sammeln, die im Alltag einiges an Einsatz kosten würden. Lasst uns Einstein etwas freier interpretieren und erforscht euch im Spiel. Lernt den Spaß am Scheitern und vielleicht bekommt ihr dann auch so richtig Bock aufs Leben. Lasst mich mit einem Zitat aus Robert Schuhmanns Musikalischen Haus- und Lebensregeln abschließen: „Es ist des Lernens kein Ende.“ und ohne Fehler kein Lernen. Also seid bereit auf ewig Fehler zu machen oder der Weiterentwicklung und damit dem Leben den Rücken zuzukehren.

Mindset eines Spielers

Dieses Mindset greift an den verschiedensten Stellen. Das könnt ihr schon alleine daran erkennen, dass es Les Brown mit Einstein und Schuhmann in einen Artikel geschafft hat. Im Grunde können alle Situationen mit einem klaren Ausgang als finites Spiel verstanden werden. Der Weg zum Traumkörper, zum Traumpartner, der perfekten Beziehung, heraus aus alten Gewohnheiten, zum beruflichen Erfolg, zur Gelassenheit, zur besseren Welt und besserem Benehmen. Musik machen und Training passen da auch ganz wunderbar rein. Wer nur oft genug verliert, aus seinen Fehlern lernt und nicht aufhhört zu spielen, wird auch immer weiter reifen. Neonschwarz haben das wunderbar auf den Punkt gebracht und indirekt hat es der gute Rio Reiser so auch noch in den Artikel geschafft.

Wenn du glaubst, dass du ständig gegen Wände rennst
Sieh es als Vorteil, wenn du endlich alle Wände kennst
Raus aus dem Labyrinth, Pfadfinderstyle
Ist dann immer noch was im Weg, brat um das Teil
Immer nur schwarz sehn gilt nicht, das ist gegen die Regeln
Denn die Aussicht ändert sich von Level zu Level zu Level
Gestern war vielleicht der Pleitegeier am Start
Und morgen Strand, 30 Grad und Papayasalat
Wer weiß schon wie das Leben spielt, es is’n Buch mit sieben Siegeln
Der beste Part der Story ist vielleicht noch nicht geschrieben
Rio sagt, uns trennt nur die Angst von dem besten Leben
Schmeiß dich mitten rein, saug es auf, was kann es bessres geben

Des Spielens ist kein Ende – infinites Spiel

Wie groß die Parallelen zwischen dem Alltag und finitem Spiel sind und wie viel Lernpotenzial für die Persönlichkeitsentwicklung und damit Training, Beruf und Beziehungen da verborgen liegt, haben wir bereits ergründet. Wie steht es aber um die freundlichere Variante, die infiniten Spiele? Ist das nur was für Softies?

Nö. Nehmen wir das klassische Spiel Fange bzw. Hasche. Im Vergleich zu finiten Spielen stirbt man da im Grunde nur kleinere Tode. Man wird gefangen, fängt zurück und alles steht auf Anfang. Das Spiel ist undendlich und das Ende eher von der Ausdauer der Spielenden bestimmt. Man wird deutlich weniger auf sich und seine emotionale Basis zurückgeworfen. Was das angeht, ist infinites Spiel natürlich etwas schonender. Dafür bietet es die Möglichkeit der unterbrechungslosen Partizipation. Das bietet klare Pluspunkte für die Eingebundenheit aller und das Gemeinschaftsgefühl. Spaß entsteht nicht erst durch das richtige Mindset.

Im Training ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Bspw. lässt sich dieses Spielkonzept für eine unterhaltsame Verbindung aus Konditionstraining und dem Schaffen von Gemeinschaft nutzen. Je nach Gestaltung gibt es auch den Raum einzelne körperliche Fähigkeiten quasi nebenbei zu erlernen. Bleiben wir beim Fangespiel. Ziel ist das Schulen einer Schulterrolle. Wer gefangen wird, muss also einmal rollen, bevor es weitergeht. Das ist deutlich spannender und realistischer für die Anwendung, als stupide 20 Rollen zu praktizieren.

Endlich oder unendlich, finit oder infinit ist nicht besser oder schlechter. Es geht darum eine bewusste Entscheidung zu treffen und wenn es Sinn macht, von beiden Spielvarianten für die eigenen Entwicklung zu profitieren. Gefangen ist, wer eine oder gar beide Varianten meidet. Es ist nur Spiel. Wovor hast du Angst?

Das Bild entstand bei einer Session beim Wald und Asphalt Festival in Potsdam. Ich leite gerade ein kleines, finites Spiel an. Jonas Zeidler schoss das Bild und Oliver Franke flog durch die Luft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.